Meeresspiegel steigt immer schneller

Foto: Christiane Oelrich / dpa

 

Die Erhöhung des Meeresspiegels beschleunigt sich, berichten Klimaforscher unter Berufung auf Satellitendaten. Sie glauben, dass die Pegel in den nächsten 80 Jahren mehr als doppelt so stark ansteigen werden wie bisher angenommen.

Der Meeresspiegel steigt jedes Jahr etwas schneller – und der Zuwachs könnte bis zum Jahr 2100 mehr als das Doppelte bisheriger Prognosen erreichen. Das haben Wissenschaftler anhand von Satellitenmessungen errechnet.

Seit 1993 stieg der Meeresspiegel im weltweiten Durchschnitt jährlich um etwa drei Millimeter. Die nun gemessene Beschleunigung könnte dazu führen, dass der Anstieg im Jahr 2100 zehn Millimeter pro Jahr beträgt. Das berichtet die Forschergruppe um Steve Nerem von der University of Colorado in Boulder in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”.

Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte demnach der Durchschnittspegel an den Küsten um 65 Zentimeter höher liegen als im Jahr 2005 – bisher waren häufig etwa 30 Zentimeter angenommen worden. “Und das ist mit ziemlicher Sicherheit eine vorsichtige Schätzung”, wird Nerem in einer Mitteilung seiner Universität zitiert.

Der Weltklimarat IPCC hatte in seinem fünften Sachstandsbericht (2014) einen Anstieg der Pegel zwischen 28 und 98 Zentimetern bis zum Jahr 2100 prognostiziert. Hinter den beiden Werten stehen Szenarien mit niedrigem beziehungsweise hohem Treibhausgasausstoß, die eine unterschiedlich starke Erderwärmung zur Folge haben.

Messdaten von Satelliten

Bei ihrer neuen Kalkulation gingen die Forscher um Steve Nerem nun davon aus, dass sich die Veränderungsrate der vergangenen 25 Jahre in Zukunft fortsetzt. “Angesichts der großen Veränderungen, die wir heute in den Eisschilden sehen, ist das unwahrscheinlich”, betont Nerem. Der Anstieg werde wahrscheinlich noch höher ausfallen.

Nerem und Kollegen verwendeten die längste bisher vorhandene Satellitenmessreihe zur globalen Meereshöhe. Sie begann mit dem Start des Erdbeobachtungssatelliten “Topex/Poseidon” im August 1992 und wurde mit den drei “Jason”-Satelliten fortgesetzt.

Die Wissenschaftler berücksichtigten verschiedene Faktoren, die den globalen Meeresspiegel beeinflussen, etwa das Klimaphänomen El Niño im Pazifik. Auch die Schwankungen in den Wassermengen, die an Land gespeichert werden, gingen in die statistische Analyse ein.

Schmelzendes Eis und sich ausdehnendes Wasser

Bedeutsam war zudem der Ausbruch des philippinischen Vulkans Pinatubo 1991: Dessen Auswirkungen auf den Meeresspiegel zeigten sich noch zu Beginn der Satellitenmessreihe. Ebenso glichen die Forscher die Satellitenmessungen, die sich auf das offene Meer beziehen, mit Gezeitenpegelständen an den Küsten ab.

Nach Berücksichtigung all dieser Faktoren errechnete das Team um Nerem eine jährliche Beschleunigung des globalen Meeresspiegelanstiegs um 0,08 Millimeter. Es ergibt sich also eine exponentielle Kurve mit von Jahr zu Jahr zunehmenden Anstiegsraten. Verantwortlich für den Anstieg ist zum einen das Abschmelzen der Eisschilde, zum anderen der Umstand, dass Wasser sich bei Erwärmung ausdehnt.

“Die Studie stellt sehr glaubhaft dar, dass es eine Beschleunigung des Anstiegs gibt”, urteilt Ingo Sasgen vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Die Forscher hätten nicht nur neue Messdaten verwendet, sondern diese auch sehr gründlich ausgewertet.

So seien zahlreiche Effekte, die nichts mit dem Klimawandel zu tun haben, herausgerechnet worden. Dass beim deutschen Küstenschutz zum Teil mit einem Meeresspiegelanstieg um bis zu 1,70 Meter bis 2100 gerechnet werde, erklärt Sasgen mit Extremwerten, die dabei angenommen worden seien.

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