Weiter so – Die Kanzlerin will es noch einmal wissen

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Angela Merkel ist das Wahlprogramm der CDU. Sie will das Land mit Pragmatismus und Innovation in die Zukunft führen – Globalisierung inklusive. Dabei stand sie 2015 unter Druck wie nie zuvor – und kriegte die Kurve.

Man sitzt beim Kaffee auf einer der Dachterrassen der Hauptstadt – und aus dem Zentrum der Macht schwebt ein Hubschrauber vorbei. Es ist ein derzeit fast alltäglicher Moment: Angela Merkel unterwegs nach Süd-, West- und Norddeutschland, auffallend oft in den Osten. Merkel unterwegs im Wahlkampf.

Mehr als 50 Wahlkampf-Auftritte absolviert die CDU-Vorsitzende bis zum 24. September. Immer sind es mehrere tausend Zuhörer, vor denen sie spricht. Oft sind einige, manchmal wenige hundert Störer aus dem rechtspopulistischen oder rechtsextremen Milieu dabei.

Die 63-Jährige steht im Mittelpunkt jeder CDU-Veranstaltung und im Zentrum der gesamten Wahlkampagne. Und immer geht es – wie 2013 und 2009 und noch stärker als 2005 – um Merkel selbst. Wahlkampf der Regierungspartei ist immer Kanzler-Wahlkampf. Die Union wird gern als Kanzlerwahlverein karikiert – schon seit den Zeiten Konrad Adenauers.

Schicksalsthema Flüchtlingskrise

Das Machtzentrum der Berliner Republik ist das Kanzleramt. Damit wirkt Merkel manchmal wie die Präsidentin Deutschlands. Thematisch geht es ihr um das Ganze. Deutschland. Die Sicherheit, die Rolle Deutschlands in der Welt, die Integration von Neu-Bürgern, es geht – pauschal gesagt – insgesamt auch um den Wohlfühlfaktor der Deutschen im eigenen Land. Das Thema “Flüchtlinge” spricht sie nicht immer an, am ehesten unter der europäischen Perspektive. Dabei war doch 2015 mit der Aufnahme vieler Hunderttausend Flüchtlinge so etwas wie ihr politisches Schicksalsjahr.

Wie eine Helikopter-Kanzlerin setzt sie sich im Wahlkampf auf Themen der Opposition, so wie sie seit 2005 als Kanzlerin erfolgreich und pragmatisch Lieblingsthemen jeglicher Couleur abräumt. Und Merkel ist mit ihren zahlreichen und körperlich strapazierenden Reisen Chefdiplomatin. Sie könnte dereinst auch UN-Generalsekretärin werden.

2015 war das Neu-Wort “merkeln” einer der Favoriten für das “Jugendwort des Jahres”. Es stand für “nichts tun, keine Entscheidung treffen”. Dann kam Merkels gewaltiger Entschluss zur Aufnahme von Flüchtlingen. Vorbei war es mit “merkeln” – zu Recht. Denn mit ihrem Namen verbinden sich politische Weichenstellungen in gesellschaftlichen Kern- und Streitfragen: Abschaffung der Wehrpflicht zum Beispiel, Atom-Ausstieg, zuletzt der Parlamentsbeschluss zur Ehe für alle. Sie habe, sagte sie in dieser Woche, “den Eindruck gewonnen, dass dies eher zu einer Befriedung der gesellschaftlichen Diskussion beigetragen hat”.

Das große Ganze

Mit Blick auf die Partei seien dabei doch “die Grundwerte der CDU” geblieben, “das sind die Wurzeln, aus denen wir unsere Politik speisen”. Das passt zu ihrem Blick auf das große Ganze.

Seitdem “merkeln” wird Merkel anders vermarktet. Die Kanzlerin ließ sich – 2015 und erneut 2017 – von jungen Stars der YouTube-Szene interviewen. Begegnungen mit Jugendkultur sind Pflicht. Die CDU, ihre Partei mit einem Durchschnittsalter von 60 (!) Jahren, inszeniert sich und ihr Wahlprogramm in der Berliner Mitte mit einem “begehbaren Programm” in einer Szene-Location. Merkel, die nicht weit entfernt wohnt, schaute bereits einige Male vorbei.

Im Älterwerden gewinnt Merkel eine neue, durchaus lockere Ernsthaftigkeit gegenüber Heranwachsenden. Sie drängt sie zur Neugier, zu Forscher-Drang und Innovation. “Jetzt denkt ihr wieder: Oma erzählt vom Krieg”, kokettiert sie selbst. Aber man merkt der einstigen Wissenschaftlerin ihre Freude an der Vermittlung und an persönlicher Haltung an.

Damit will sie in ihre vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin kommen. CDU-Vorsitzende seit dem Jahr 2000, Kanzlerin seit 2005. “Wir leben in einer Zeit, in der vieles im Umbruch ist”, sagte sie dieser Tage in einem Interview. Jetzt entscheide sich, ob Deutschland auch in 20 Jahren gut dastehe. “Ich möchte genau diese Phase mit all meiner Erfahrung so gestalten, dass unser Land die Weichen richtig stellt”.

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